Meine Erfahrung mit Heilfasten

Durch Eduard de Wilde von 23.06.2018, 11:43:39
Eduard de Wilde

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Haben Sie schon einmal über Heilfasten nachgedacht? Lesen Sie hier alles über meine Erfahrungen mit dem 5-Tage-Wasserfasten. Warum sollten Sie fasten? Was geschieht dabei mit Ihrem Körper Wie schwer fällt es? Worauf sollten Sie achten?

Warum 5 Tage Wasserfasten?

Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, sämtliche verschiedenen Arten des (intermittierenden) Fastens auszuprobieren. Normalerweise trinke ich am Morgen einen Bulletproof-Kaffee (Bulletproof Intermittent Fasting) und warte bis 14 Uhr mit der ersten Mahlzeit. Manchmal nehme ich auch bis 14 Uhr gar nichts zu mir.

Zum 5-Tage-Wasserfasten wurde ich durch die Lektüre des Kapitels über Dominic D'Agostino im Buch "Tools of Titans" von Tim Ferries inspiriert. Darin stellt Dominic D'Agostino seine Vorstellung eines "reinigenden Fastens" vor: Solange Sie nicht an Krebs erkrankt sind, können Sie Ihren Körper durch ein- bis dreimal jährliches therapeutisches Fasten von eventuell vorhandenen präkanzerösen Zellen befreien (Tools of Titans, Seite 24). Daher versucht Tim Ferris nun, einmal im Monat drei Tage lang zu fasten und einmal pro Quartal fünf bis sieben Tage lang zu fasten.

Je länger Sie fasten, umso gründlicher wird Ihr Körper gereinigt. Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein dreitägiges oder längeres Fasten zu einem "Reboot" (Neustart) des Immunsystems führt. Während des Fastens befindet sich der Körper in einem Zustand der Erneuerung. Er reinigt sich selbst und bereit sich auf einen Überlebenskampf vor. Beim Fasten greift er nicht mehr auf Glukose als primäre Energiequelle zurück, sondern auf Fett. Das Körperfett wird in Ketonkörper umgewandelt. Dieser Zustand nennt sich Ketose.

In diesem Zustand wird Ihr Körper einige interessante Prozesse durchlaufen:

  • Stärkt die Regeneration: Nur während des Fastens finden echte Reparaturen im Körper statt und es dauert eine Weile, bis diese Prozesse in Gang gesetzt werden. Die Autophagie (ein Recyclingprozess, bei dem sich Zellstrukturen und Proteine erneuern, indem sie vorhandene Reste verwerten) beginnt zum Beispiel erst nach 24 Stunden des Fastens. Je länger Sie fasten, umso mehr Reparaturmechanismen werden aktiv und arbeiten solange, bis Sie das Fasten beenden.

  • Reduziert Entzündungen: Die Anhäufung von Abfallstoffen und zunehmende Schäden lösen Entzündungen aus. Da der Körper während des Fastens Schäden repariert und sic selbst von Abfallstoffen befreit, reduziert sich die Zahl der Entzündungserscheinungen.

  • Verbessert die Blutwerte: Wenn Sie sich ständig Nahrung zuführen, wird Ihr Körper von den vielen durch das Essen gelieferten Nährstoffen überwältigt und hat gar keine Zeit, sie alle gründlich zu verarbeiten. Dies zeigt sich in Ihren Blutwerten und in Ihrem Hormonspiegel. Durch das Fasten geben Sie Ihrem Körper die Chance, diese unverarbeiteten Nährstoffe zu verwerten und den Hormonspiegel auszugleichen. Dadurch verbessern sich Ihre Blutzuckerwerte und Ihre Insulinempfindlichkeit.

  • Hilft bei schnellem Gewichtsverlust: Während einer längeren Fastenphase greift der Körper auf die gespeicherten Fette zur Energiegewinnung zurück. Durch die Verbrennung der Fettzellen und dem Ausgleich der Hungerhormone fallen Ihnen Umstellungen bei Ihrer Ernährung leichter, so dass Sie die durch das Fasten erreichte Gewichtsreduktion dauerhaft aufrechterhalten. Fasten ist eine einfache Möglichkeit schnell Gewicht zu verlieren und das Körperfett zu reduzieren.

  • Stärkt die Mitochondrien und regt ihre Neubildung an: Die Reparatur- und Reinigungsprozesse beim Fasten umfasst auch die Reinigung und Entsorgung beschädigter Mitochondrien. Längeres Fasten (über mehrere Tage hinweg) regt das Wachstum neuer Mitochondrien an. Diese Vorteile des Fastens führen dazu, dass Ihre vorhandenen Mitochondrien außerdem mehr Energie produzieren.

  • Verbessert den Schlaf: Im Gehirn sind sehr viele Mitochondrien aktiv, so dass eine verbesserte Qualität dieser Mitochondrien dazu führt, dass Ihr Gehirn mehr Energie produzieren kann. Während Sie schlafen, räumt Ihr Gehirn mit Abfall auf und benötigt dazu viel Energie. Ein gesundes aufgeräumtes und energiegeladenes Gehirn steigert Ihre geistige Leistungskraft enorm. Auch Ihr Schlafzyklus und Ihr Schlafverhalten verbessern sich.

Intermittierendes Fasten Vorteile

Die verschiedenen Fasten-Methoden und die Vorteile des Fastens (Design: Dagmar Bouwer)

Ist das 5-Tage-Wasserfasten das gleiche wie eine Nulldiät?

Diese Frage wurde mir während des Selbstversuchs häufig gestellt. Das Wort Nulldiät ist negativ belastet und ich selbst verbinde es eher mit Gewichtszunahme als mit Fettreduzierung. Dies liegt daran, dass Sie bei einer Nulldiät weit weniger Kalorien zu sich nehmen, als Ihr Körper benötigt. Der Stoffwechsel des Körpers reagiert darauf, indem er sich an die neue (geringe) Kalorienmenge anpasst und fährt herunter. Dies führt bei vielen Menschen dazu, dass sie sich schlapp und müde fühlen. Ihnen fehlt nun die Energie für ihren gewohnten Alltag. Sobald Sie wieder normal essen und die gewohnte Kalorienmenge zu sich nehmen, dauert es eine Weile, bis sich der Stoffwechsel darauf eingestellt hat. In dieser Zeit konsumieren Sie mehr Kalorien als Sie benötigen. Dadurch kann es passieren, dass Sie sogar noch zunehmen und am Ende mehr wiegen als zu Beginn der Nulldiät.

Beim 5-Tage-Wasserfasten ist Ihr Stoffwechsel jedoch ab dem vierten Tag des Fastens sogar um 10% erhöht. Der Körper fährt nicht herunter, sondern greift auf Ihre Fettreserven als Energiequelle zurück. Davon besitzen die meisten Menschen reichlich! Dies macht das Fasten zu einer weit effektiveren Strategie zum Abnehmen als Nulldiäten.

Welchem Plan bin ich beim 5-Tage-Wasserfasten gefolgt?

Ich bin dem von Tim Ferris entworfenen Plan gefolgt. Um die Ketose anzuregen habe ich alle vier Stunden einen Esslöffel Octane Oil oder eine Portion exogener Ketone (KetoSports) konsumiert An einem Tag habe ich also zwei Esslöffel Octane Oil und zwei Portionen KetoCaNa zu mir genommen. Außerdem habe ich eine Portion Natural Stacks BCAAs eingenommen um Muskelschwund zu verhindern. Denn solange Sie sich nicht im Zustand der vollen Ketose befinden, wird Ihr Körper auch auf die Muskeln als Energiequelle zurückgreifen – was Sie natürlich verhindern möchten. Ich habe diesen Plan am zweiten Tag wiederholt.

Manche Vordenker wie Rhonda Patrick sind der Ansicht, dass es sich nicht wirklich um Fasten handelt. Für sie ist nur Wasserfasten echtes Fasten, d.h. Sie trinken ausschließlich Wasser und nehmen nichts anders zu sich. Darum habe ich am dritten Tag auch nur Wasser getrunken. Morgens habe ich ein Glass Wasser mit Celtic Sea Salt getrunken und anschließend nur noch Pellegrino, weil ich den Geschmack mag. Ich gebe jedoch, dass ich auf meinen Espresso nicht verzichten konnte. Dazu schmeckt er mir einfach viel zu gut…

Was habe ich während des 5-Tage-Wasserfastens gemessen?

Zum Messen der Ketonkörper und der Glukose habe ich Freestyle Precision-Teststreifen von Abbott verwendet. Ich konnte beides mit einem einzigen kleinen Stich in den Finger messen. Allerdings sind Keton-Teststreifen mit einem Preis von 3-4€ pro Stück recht teuer. Wenn Sie Ihren Zustand regelmäßig überprüfen möchten, sind Keton-Atemmessgeräte die günstigere Alternative. Leider hatte ich vergessen, die ersten beiden Tage mit dem Ketonix zu messen.

Mit dem Oura-Ring habe ich meinen Schlaf kontrolliert, die Herzfrequenzvariabilität und meine Leistungsbereitschaft. Diese sagt mir, welche Leistungen ich erbringen kann, wenn ich geistig und körperlich topfit bin. Sie errechnet sich aus allen anderen Daten der Sensoren wie körperlichen Signalen und den Schlaf- und Aktivitätsmustern, die ŌURA ständig misst.

8.00 Uhr, Tag 1:

  • Gewicht: 95,3 kg
  • Ketonkörper: 0,1 mmol/l
  • Glukose: 5,5 mmol/l
  • Herzfrequenzvariabilität (HRV): 32
  • Schlaf: 76%
  • Leistungsbereitschaft: 78

Ich hatte nicht gut geschlafen. Vielleicht weil ich mich nicht wirklich auf dieses Experiment gefreut hatte :-). Der Tag verlief dann jedoch sehr gut. Nur gegen 18.00 Uhr verspürte ich Hunger, weil ich um diese Zeit normalerweise eine größere Mahlzeit esse.

8.00 Uhr, Tag 2:

  • Gewicht: 92,1 kg
  • Ketonkörper: 0,7 mmol/l
  • Glukose: 5,9 mmol/l
  • Herzfrequenzvariabilität (HRV): 39
  • Schlaf: 82%
  • Leistungsbereitschaft: 91

Ich habe besser geschlafen, aber immer noch nicht wirklich gut. Mein Kopf war klar und ich fühlte mich nicht müde. Am Ende des Tages war ich sehr hungrig. Der Ketonkörperspiegel entsprach genau dem, was Tim Ferris in seinem Plan nach dem ersten Tag versprochen hatte.

8.00 Uhr, Tag 3:

  • Gewicht: 91,0 kg
  • Ketonkörper: 0,8 mmol/l
  • Ketonix: 3,2 ppm
  • Glukose: 4,9 mmol/l
  • Herzfrequenzvariabilität (HRV): 39
  • Schlaf: 90%
  • Leistungsbereitschaft: 92

Bin schon um 6.00 Uhr wachgeworden und hatte gut geschlafen. Morgens fühlte ich mich OK, doch der Nachmittag war hart. Ich fühlte mich hungrig und hatte nur wenig Energie.

8.00 Uhr, Tag 4:

  • Gewicht: 90,3 kg
  • Ketonkörper: 2,0 mmol/l
  • Ketonix: 9,4 ppm
  • Glukose: 3,6 mmol/l
  • Herzfrequenzvariabilität (HRV): 45
  • Schlaf: 94%
  • Leistungsbereitschaft: 96

Ich bin um 4.30 Uhr wachgeworden und fühlte mich gestresst. Habe noch anderthalb Stunden versucht wieder einzuschlafen. Fühlte mich elend. Nach einem Glas warmem Wasser mit Celtic Sea Salt fühlte ich mich viel besser. Meine geistige Leistungskraft war bis 16.00 Uhr hervorragend. Danach fühlte ich mich müde und antriebslos.

8.00 Uhr, Tag 5:

  • Gewicht: 90,1 kg
  • Ketonkörper: 2,6 mmol/l
  • Ketonix: 15 ppm
  • Glukose: 3,8 mmol/l
  • Herzfrequenzvariabilität (HRV): 48
  • Schlaf: 88%
  • Leistungsbereitschaft: 90

Bin um 6.00 Uhr aufgewacht und fühlte mich gestresst. Nach einem Glas warmem Wasser mit Celtic Sea Salts fühlte ich mich wieder viel besser und der Rest des Tages ist perfekt gelaufen. Ich war geistig voll auf der Höhe und fühlte mich nicht müde. Endlich machte ich die Erfahrungen, auf die ich gehofft hatte!

Ich beendete das Fasten mit einer köstlichen Sushi-Mahlzeit.

Welche Schlussfolgerungen habe ich gezogen?

Meine Erkenntnisse nach diesem Experiment:

  1. Ich habe klein angefangen. Ich habe vor 6 Wochen zwei Tage lang gefastet. Dadurch konnte ich mich geistig darauf vorbereiten über einen längeren Zeitraum nichts zu essen.

  2. Ich bin leidensfähig. Die ersten vier Tage waren wenig erfreulich und ich benötigte viel Willenskraft um durchzuhalten. Ich denke, dies ist teilweise eine Charakterfrage (starker Willen) und teilweise Training. Als ich jünger war, haben wir viele Ausdauersportarten wie Radfahren und Bergsteigen betrieben. In den Bergen gibt es keine Rettung: Entweder du machst weiter oder du stirbst (oder wirst von einem Hubschrauber gerettet). Ich denke, diese Art geistiges Training bleibt den Rest des Lebens im Kopf verankert.

  3. Fasten führt zu Stress. Wenn Sie, wie ich, stressanfällig sind (bei mir ist es eine anhaltende Nebenwirkung seit ich vor 17 Jahren Lariam verwendet habe), macht es keinen Spaß. Der Stress wurde immer stärker bis sich die Ketose stabilisier hatte. Sie sind also vorgewarnt: Wenn Sie schnell unter Stress leiden, ist das 5-Tage-Wasserfasten vielleicht keine gute Wahl für Sie. Planen Sie im Voraus, so dass Sie in der Woche des Fastens keine wichtigen Meetings oder Präsentationen haben!

  4. Der Umstieg auf die Ketose macht müde: Ich habe weiterhin zehn Stunden pro Tag gearbeitet und das war vermutlich keine so gute Idee. Beim nächsten Mal werde ich meinen Terminkalender vorher entsprechend ändern.

  5. Fasten Sie erst, wenn Sie sich schon in der Ketose befinden. Fasten fällt leichter, wenn Sie bereits auf eine ketogene Ernährung umgestiegen sind. Wenn Ihr Körper bereits auf die Fettverbrennung zur Energiegewinnung umgestiegen und nicht mehr von Glukose abhängig ist, werden viele der von mir festgestellten Probleme verschwinden. Der Cortisolspiegel beruhigt sich, das Muskelprotein bleibt verschont, Hungergefühle gehen von alleine wieder weg und Sie fühlen sich gleichbleibend energiegeladen.

  6. Schlaf, Leistungsbereitschaft und Herzfrequenzvariabilität haben sich verbessert. Das bedeutet, dass ich mich positiv verändert habe!

  7. Es war eine einfache Art um schnell Gewicht zu verlieren. Ich habe 5 kg Gewicht verloren und in den Tagen nach dem Fasten nur 2,5 kg wieder zugelegt. Dabei habe ich meinen Berechnungen zufolge 1,5 kg Körperfett verloren.

  8. Ich habe viel Zeit gespart! Ich musste nicht einkaufen gehen, kochen oder die Küche aufräumen und war erstaunt, wie viel Zeit ich so gespart habe.

  9. Rechenschaft ablegen hilft enorm. Ich habe mein Experiment auf allen Social Media-Kanälen geteilt, so dass ich mich nicht mehr davor drücken konnte.

  10. Es gibt schwere Momente. Mit diesen Tiefs bin ich fertig geworden, indem ich mich mit verschiedenen Aktivitäten wie langen Spaziergängen abgelenkt habe.

  11. Die Verdauung ruht. Es hat eine Weile gedauert, bis sie wieder richtig in Schwung kam. Um diese Vorgänge zu beschleunigen habe ich Natural Stacks Prebiotic+ und Natural Calm Magnesium eingenommen. Prebiotic+ enthält unverdauliche Stärke und hilft bei Verdauungsproblemen enorm. Bei meiner Frau war es jedoch umgekehrt: 30 Minuten nach der ersten Mahlzeit musste sie zur Toilette flitzen.

  12. Viel Wasser trinken hilft gegen Hungergefühle. Tatsächlich können Sie sich hungrig fühlen, weil Ihr Körper nach Wasser verlangt. Wasser trägt außerdem zum Ausschwemmen der bei der Fettverbrennung freigesetzten Giftstoffe bei. Trinken Sie jedoch nicht zu viel Wasser, denn dadurch verlieren Sie Mineralstoffe. Ich habe täglich 3-4 Liter Wasser getrunken und etwas Salz hinzugefügt um die Verluste zu kompensieren.

  13. Beginnen Sie das Fasten mit einen flotten Spaziergang oder einer Radtour. Dadurch werden die Glykogenspeicher der Muskeln geleert, was wiederum den Umstieg auf die Fettverbrennung erleichtert.

  14. Zusammen fasten macht mehr Spaß. Es ist leichter in einer Gruppe zu fasten, da Sie sich dann gegenseitig unterstützen können. Beim nächsten Mal werde ich eine Gruppe gründen, in die auch Sie eintreten können!

Würde ich es wieder machen? Ja, das werde ich. Beim nächsten Mal werde ich meine jetzt gemachten Erfahrungen nutzen, so dass es mir leichter fallen wird!

Themen: Intermittent Fasting

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